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Rianni & Nina, Schumacher, IVANMAN, Malaika Raiss, Marina Hoermanseder

Berlin Fashion Week SS2018 - Der Rückblick

Berlin, Juli 2017 – Die Berlin Fashion Week steht in den Startlöchern. Vieles soll sich diese Saison verändern, ständig spricht man von Aufbruchstimmung, die Hoffnungen sind groß, die Sorgen ebenfalls. Was soll aus der deutschen Modewoche werden? Große Sponsoren wechseln die Fronten. Es scheint als würde ein neuer, frischer Wind wehen, der nochmals Kraft in die Modewoche pusten soll.

Während sich auch viele Designer dazu entschieden haben, dieses Jahr auf eine Show zu verzichten, wie beispielsweise Nobi Talai oder Perret Schaad, und stattdessen den Berliner Mode Salon für die Präsentation ihrer neuesten Kollektionen nutzen, kamen auch andere wichtige deutsche Modehäuser zurück – allem voran BOSS. Am 3. Tag der Fashion Week präsentierten sie ihre exklusive Womenswear Gallery Collection by Christiane Arp & Jason Wu, wo sich die oberste Liga der deutschen Modebranche traf. Auch auf dem Berliner Mode Salon freute man sich sehr, welcher mittlerweile die Rolle des alten Fashion Week Zeltes übernommen hat und mit Defilees und Präsentationen fein selektierte Designer in kleineren Kreisen vorstellt.

Doch neben der ganzen Aufbruchstimmung, sollte und darf man nicht vergessen, warum man überhaupt zur Berlin Fashion Week da ist, nämlich um sich die neuesten Sommerkollektionen für den Sommer 2018 anzuschauen. Schwierig ist es, wie nach allen Fashion Weeks auch international, noch von einer Trendtendenz reden zu können – denn heute geht ja irgendwie alles und auch nichts.

Ein perfektes Beispiel für einen jungen Herren, der eben eher seine Vision verwirklicht und mehr auf sein Bauchgefühl hört, als sich von Vorgaben reinreden zu lassen, ist William Fan. Mit seiner 90s Back Pop-Generation Kollektion, traf er absolut den Zeitgeist des Publikums, die nicht nur die tollen farbenfrohen und schönen all-over Denim Looks mit Metallic- und Silberelementen feierten, sondern auch glücklich zu den Popsongs mitwippten und sich über Models mit "Nick Carter" Topfschnitt freuten. Mode soll nicht nur schön sein, sondern auch entertainen und dies gelang wohl niemandem besser als William Fan in dieser Saison, der mit der gesamten Inszenierung den perfekten Mix schaffte.

Aber nicht nur Fan sprang auf den "Entertainer" Zug auf. Bei Antonia Goy tanzten die Models wild umher, agierten mit dem Modepublikum, verteilten Küsse und posierten für Selfies – ganz entsprechend dem Social Media Hype, der mittlerweile größer als je zuvor ist, was man an den Front Rows voller Influencer merkt. Großartig für den Spaßfaktor, wer sich jedoch danach noch an die gesehene Mode erinnern konnte, bleibt fraglich.

Farben, Farben, Farben – waren in der letzten Saison schon besonders wichtig und bleiben weiterhin ein großes Thema im Sommer 2018. Es darf knallen und auffällig sein, Pastell verschwindet fast ganz aus den Kollektionen und wird wenn, ebenfalls mit bunten Kontrastfarben oder Mustern gemixt. Dazu kommen auch extravagante Formen, Drapierungen, Knotungen, Details wie Schnallen, doppeltgewundene Gürtel und vieles mehr, was im Sommer 2018 eine große Rolle spielt. Schlicht ist langweilig, geradlinig macht man heute nicht mehr. Alles darf etwas anders getragen werden, so wie man es eigentlich nicht trägt, nun aber doch tragen sollte. So auch bei Marina Hoermanseder gesehen, die unterschiedlichste Elemente in ihrer Kollektion einbrachte, von flatternden Volants-Mäntel über Bikini-Sommerlooks und Lederröcken mit Riesen-Gürtelschnallen.

Das Nischenlabel Rianna & Nina, das man schon lange in Berlin für ihre zauberhafte Mode aus Vintagestoffen kennt, zeigte ebenfalls erstmals im Rahmen des Berliner Mode Salons. Zur Premiere präsentierten sie wie noch nie zuvor eigens produzierte Stoffe, welche zu tollen, farbenfrohen Outfits kombiniert wurden und das alles während einer gemütlichen Gartenparty im Kronprinzenpalais. Dawid Tomaszeswki lud nicht weit entfernt auf eine Dachterasse mit Blick über Berlin Mitte ein und zeigte die nackteste Kollektion dieser Fashion Week. Nippel-Patches und halb bedeckte Brüste, wohin das Auge reichte. Dazu ereignisreiche Stylings und Looks mit Patches, Schimmer, Drapierungen und Stickereien, diese jedoch sehr modern und cool – bloß nicht romantisch.

Romantik ist auch alles in allem gerade OUT. "In your Face" Fashion ist IN, wenn lieblich und süß, dann aber offensichtlich und mit großen "LOVE" Druck.  Eben für selbstbewusste Frauen und Männer mit Modemut. Wer sich im nächsten Sommer nichts traut, bleibt leider auf der Strecke, denn man will es krachen lassen, Statements setzen und dabei alle und alles mitnehmen.

Deswegen werden auch viele unterschiedliche Elemente kombiniert. Layering ist wieder ein großes Thema, von Gaucho-Teilen, die mit stringenten Streifenmustern zusammengesetzt werden, über Bra's, die man über Hemd und Oberteil trägt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, alles was geht, kann man auch tragen, ob übereinander, untereinander – hauptsache die Kombination ist harmonisch, so wie man es auch bei Schumacher sehen konnte. Man meint erst es könnte nicht passen, doch dann ist man begeistert, was man doch zusammen tragen kann.

Auch Jeans wird im Sommer 2018 wichtiger denn je, wo sich der Kreis zum 90er Jahre Trend schließt. Talbot Runhof präsentierte im Berliner Mode Salon eine Kollektion, die fast nur aus dem Denimstoff besteht und das als edle Abendgarderobe, nicht basic und nicht typisch. Auch Blumenmuster sind als All-over verstärkt im nächsten Sommer wieder zu finden. Malaika Raiss zeigte hier besonders schöne Exemplare, die Lust auf mehr Sommer und Sonne machen.

Auf der Seite der Herrenmode wurde es auch noch gewagter und farbenfroher. Besonders IVANMAN, allem voraus, der mit korsettartigen Schnürungen für Akzente sorgt und sich hauptsächlich auf Royalblau konzentriert. Inspiriert vom Künstler Joseph Beuys, zeigt IVANMAN einen gekonnt schicken Arbeiterlook für die Herren. Währenddessen feierte das Herrenlabel Brachmann ebenfalls ein Debüt auf dieser Fashion Week und präsentierte im Berliner Mode Salon erstmals auch Looks für die Damen, die der Herrenkollektion in ihrer Maßschneider Qualität und Androgynität nicht nachhängt.

Als Fazit der Berliner Fashion Week bleibt zu sagen, dass trotz vieler Ängste, was aus der Modewoche werden soll und wie es weitergeht, sie sich wieder von der besten Seite zeigte. Die Brands aus Deutschland haben bewiesen, dass sie wie eh und je inspirieren können. Neue Konzepte, neue Ideen, Revivals und keinerlei Stagnation waren vernehmbar, besonders Dank der Arbeit des Fashion Councils Germany in Zusammenarbeit mit dem Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Die Besucher haben mehr denn je Lust auf Mode "made in Germany" und kommen aus dem internationalen Raum direkt nach Berlin, um zu schauen, was die Kreativhochburg fabriziert,  denn die Designer sind gewagter und zielstrebiger als je zuvor und lassen sich im internationalen Vergleich nichts nehmen.

 

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